5 Jahre Digitalradio

Wie doch die Zeit vergeht. Erinnern Sie sich noch an den 01. August 2011? Der amerikanische Kongress hat sich auf die Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, die Fluglotsen in Deutschland stimmen in einer Abstimmung für einen unbefristeten Streik und MTV feiert seinen 30. Geburtstag. Und da war dann noch was: der Beginn eines neuen Radio-Zeitalters. Von den große Medien kaum beachtet und gewürdigt, feierten viele branchenspezifische Portale, wie die radioWOCHE diesen riesigen Schritt für die Digitalisierung des Radios. Der Start des neuen Digitalradio DAB+. Dies barg Risiken. Schließlich scheiterte der 1. Digitalradio-Standard DAB. Die Gründe dafür waren vielfältig: unzureichender Empfang, wenige Programme on air, schwaches Marketing, wenige Geräte auf dem Markt, was zu einer geringen Nachfrage seitens der Verbraucher führte. Die Verantwortlichen setzten alles auf eine Karte und wagten mit DAB+, dem deutlich verbesserten DAB-Nachfolger, einen Neuanfang mit dem Wissen, dass dies wohl die letzte Chance für das Digitalradio ist.

Eine klare Aufbruchstimmung lag in der Luft. Am 01. August um Punkt 11 Uhr feierten Vertreter der Politik, Landesmedienanstalten und Medienvertreter mit dem Sendebeginn des Digitalsenders Absolut Radio in Regensburg den Start in eine neue Radiowelt. Neben Absolut Radio gingen mit 90 elf, sunshine live, Radio BOB, ENERGY, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen, Dokumente und Debatten, ERF, Radio Horeb, KISS FM, Lounge FM 12 weitere Anbieter bundesweit über damals noch 27 Sendemasten on air. In den einzelnen Bundesländern schalteten zahlreiche, weitere Angebote auf. In den Folgemonaten machte man das richtig, was zu DAB-Zeiten falsch lief. Der Verbraucher erhielt Zugang zu einer Vielzahl unterschiedlicher Radiogeräte, immer mehr Programmveranstalter bewarben sich um freie Kapazitäten in den einzelnen Bundesländern und Landesmedienanstalten legten in schwierigen Situationen mit nicht unumstrittenen Entscheidungen dem Erfolg des Digitalradios keine Steine in den Weg – im Gegenteil (z.B. Abgabe der 90elf-Kapazität nach dem Verlust der Bundesliga-Übertragugsrechte an das „Schlagerparadies“).

Nicht alle waren von der neuen, deutlich besseren Technik im Vergleich zum UKW-Standard begeistert, bedeutete sie doch auch mehr Wettbewerb, neue Geschäftsmodelle und Aufbrechung bisheriger, stetiger Einnahmequellen. Nicht wenige nutzten öffentliche Foren und Medien, um mit zum Teil unhaltbaren Argumenten zu versuchen, das Digitalradio im Keim zu ersticken. Auch dieses Jahr entbrannte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Diskussion in der hochrangige Medienvertreter pro’s und contra’s von DAB+ austauschten. Überraschend schlug sich Dr. Jürgen Brautmeier, ehemaliger Präsident der Landesmedienanstalt NRW, LFM, ebenfalls auf die Seite der Digitalradio-Ablehner. Dr. Jürgen Brautmeier wurde unterdessen aus Altersgründen in seiner Funktion als LFM-Präsident abgelöst. Und wo steht Digitalradio am 01. August 2016?

Gegenüber Radio wird digital fasst Willi Schreiner, Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH die anhaltenden Diskussionen folgendermaßen zusammen:

Rückblickend kann dieser Sendestart von DAB+ ähnlich bedeutend eingestuft werden, wie der Start von UKW vor 50 Jahren. Die Einführung von UKW wurde damals ähnlich diskutiert und kritisiert, ja, oft verteufelt, wie heute DAB+. DAB+ wird UKW ablösen, als eine robuste und von Internet-Verbindungen unabhängige Grundversorgung im digitalen Zeitalter

Einen entscheidenden Faktor für den heutigen Erfolg vom Digitalradio sieht Willi Schreiner auch in der Gründung des Initiative Digitalradio Deutschland unter Beteiligung von ARD, Media Broadcast, Deutschlandradio und DRD Digitalradio Deutschland GmbH, welches für gemeinsames Marketing, Promotions und der Webseite www.digitalradio.de verantwortlich ist.

Über 6 Millionen Geräte in den Haushalten, eine steigende Nutzung des Standards und zufriedene Gerätehersteller sind auch Ergebnisse, die den eingestellten Promotern zu verdanken sind. Willi Schreiner:

Eine der erfolgreichsten Aktivitäten war sicherlich der Einsatz von Kontaktern und Promotern, die in ganz Deutschland den Handel über das neue Produkt DAB+ informierten

Doch es gab in den fünf Jahren einen weiteren Meilenstein. Willi Schreiner hob gegenüber Radio wird digital hervor:

Die Installierung des Digitalradioboards durch die Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär im BMVI war ein ganz wichtiger und bedeutsamer Schritt, um die Diskussion über die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks konkret nach vorne zu bringen, auch auf europäischer Ebene, wo Deutschland jetzt wieder eine wichtige Position einnimmt

1,6 Geräte in jedem DAB+-Haushalt und jeder 20. Neuwagen mit Digitalradio an Bord – der Erfolg ist laut Willi Schreiner nicht mehr aufzuhalten:

Wir hoffen, dass die gemeinsamen Marketing-Aktivitäten in den nächsten Wochen weiter intensiv vorangetrieben werden und noch verstärkt werden. Wie die IFA vor 5 Jahren ein Zeichen gesetzt hat, soll auch sicherlich dieses Jahr DAB+ ein neuer Schwerpunkt bei der diesjährigen Funkausstellung in Berlin sein.

Herzlichen Dank an Willi Schreiner, Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH.

Fünf spannende, erfreuliche und wegweisende Jahre liegen hinter uns. Digitalradio hat begonnen sich zunehmend im Bewusstsein der Hörer zu verankern. Die Erfolgsstory wird sicherlich auch mindestens in den nächsten fünf Jahren so weitergehen, so dass 2021 vielleicht bereits über ein konkretes Ende des analogen Radiozeitalters nachgedacht werden kann. Freuen wir uns auf die kommenden Digitalradio-Jahre. Wird sich Radio inhaltlich neu erfinden? Mit welchen Innovationen werden uns die Funkhäuser überraschen? Welche neuen Geräte werden die Wohnungen und Häuser bereichern? Und welche neuen Werbemodelle wird es für das Digitalradio geben? Heute können die Initiatoren und Akteure stolz auf das bereits erreichte sein und Ihr Glas erheben. Radio wird digital wünscht:

Happy Birthday, Digitalradio!

You May Also Like