DAB+ auch in Österreich bald landesweit

Während sich in Deutschland das Digitalradio DAB+ immer weiter durchsetzt und unterdessen mehr als 5 Jahre on air ist, gestaltete sich bisher der Weg zur Digitalisierung des Rundfunks in Österreich als eher schwierig. Bislang ist lediglich ein Pilotbetrieb in der Landeshauptstadt Wien auf Sendung. Doch das könnte sich nun ändern. Wie die Medienbehörde RTR am Freitag mitteilte, hat sie eine Auswahlgrundsätzeverordnung veröffentlicht, die den Grundstein für eine Ausschreibung legt. Zur Definition heißt es in der Pressemitteilung:

Die Auswahlgrundsätzeverordnung ist eine Art behördliches „Vorwort“ zur bevorstehenden Ausschreibung. Sie erläutert unter anderem, mit welchen Unterlagen Bewerber die gesetzlich geforderte Glaubhaftmachung ihrer finanziellen Voraussetzungen für den Aufbau und Betrieb eines DAB+ Sendernetzes darzulegen haben und präzisiert die Auswahlkriterien. Darin legt die Behörde auch fest, welche konkreten Vorstellungen sie hinsichtlich des Zeitplanes zum Aufbau eines Sendernetzes und zum Versorgungsgrad der Bevölkerung zur Grundlage in einem Auswahlverfahren macht. So sollten beispielsweise Bewerber um eine bundesweite Zulassung spätestens ein Jahr nach Rechtskraft der Zulassung mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit Radioprogrammen auf Basis von DAB+ versorgen, nach drei Jahren sollten 75 Prozent der Bevölkerung versorgt sein.

Bei genauerer Analyse der Auswahlgrundsätzeverordnug stellt Radio wird digital fest, dass die Medienbehörde RTR bei der Ausschreibung einen Anbieter zur “Errichtung und Betrieb von Multiplex-Plattformen” sucht. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass dieser dann auch über die Programmzusammensetzung entscheiden kann. Einen ähnlichen Prozeß verfolgen auch die Medienbehörden mit dem geplanten Bundesmux 2 in Deutschland für den der Ausschreibungsprozeß noch läuft.

Folgende, weitere Rahmenbedingungen werden unter anderem in der Verordnung fest gelegt/vorgeschlagen:

  • Nach Möglichkeit, Errichtung eines Gleichwellennetzes (d.h. bundesweiter Empfang eines Multiplexes auf einem Kanal)
  • Konzept zur Einbindung der Hörfunkveranstalter für das Marketing zur Aufklärung der Hörer über den neuen Radiostandard DAB+
  • Verbreitung auch von Zusatzdiensten, wie z.B. Slideshow oder EPG (elektronischer Programmführer) über das Digitalradio
  • ein meinungsvielfältiges Angebot, wobei auch Anbieter, die bisher analog-terrestrische Signale verbreiten, Berücksichtigung finden sollen
  • für die bundesweite Verbreitung soll ein Konzept vorgelegt werden, wie 90% der Bevölkerung nach 5 Jahren erreicht werden können

Die Auswahlgrundsätzeverordnung verrät zudem, dass offenbar nicht nur Anbieter, die eine bundesweite Verbreitung anstreben Berücksichtigung finden sollen, sondern auch der Aufbau von regionalen und lokalen Multiplexen möglich ist. Bei letztgenannten Möglichkeiten soll gewährleistet werden, dass mindestens 50.000 Einwohner technisch erreicht werden.

Laut dem Digitalisierungskonzept 2015 der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) stünden insgesamt 5 Bedeckungen für Österreich zur Verfügung. Zwei Bedeckungen (also 2 Kanäle – nicht zwangsläufig im Gleichwellennetz -) für nationale Multiplexe; weitere 2 Bedeckungen für 1 nationalen oder mehrere regionale oder überregionale Multiplexe, sowie für 1 weiteren regionalen/überregionalen Multiplex; und eine weitere Bedeckung für mehrere regionale öder überregionale Multiplexe.

Die Ausschreibung soll in ca. 14 Tagen starten. Im Jahr 2016 führte die KommAustria eine Interessenerhebung durch, die ergab, dass genügend Veranstalter zur Verfügung stünden, um einen nationalen Multiplex zu füllen.

Bleiben wir gespannt, wie viele Kapazitäten ausgeschrieben werden und wie hoch die Nachfrage innerhalb des Prozesses sein wird. Die Ausschreibung soll in ca. 14 Tagen beginnen.

 

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