DAB+ im Ausschreibungsfieber

Je näher der Termin für die Entscheidung wer den Bundesmux 2 betreiben darf rückte, desto mehr scheinen auch in den Bundesländern Radiosender Geschmack an DAB+ zu finden. Wir blicken einmal in die Situation in den einzelnen Ländern:

Bayern

Am 12.06. endete hier die Ausschreibungsfrist für eine landesweite Kapazität, sowie eine weitere in Unterfranken. Auf Anfrage von Radio wird digital teilte die BLM, unterdessen auch per Pressemitteilung, mit:

Es gibt fünf Bewerbungen für die landesweite Ausschreibung und vier Bewerbungen für die regionale Kapazität in Unterfranken.

Eine Entscheidung, welche Programme den Zuschlag erhalten, wird wohl noch im Juli gefällt werden.

Aktuell läuft die Umstellungsaktion der landesweiten Programme vom Kanal 10D in die einzelnen Regionalmuxe. Den exakten Zeitplan, wann Sie wo einen Sendersuchlauf durchführen sollten, finden Sie auf den Seiten von Bayerndigitalradio.

Positive Nachrichten gibt’s auch in Sachen Empfang. Wie der Bayerische Rundfunk diese Woche mitteilte, wird das Netz in Franken ausgebaut. So erweitert der Regionalmux auf Kanal 10B für Oberfranken sein Gebiet auf die Region Coburg. Außerdem kündigt der BR an, bis Ende des Jahres auch den Standort Hesselberg in Mittelfranken für Kanal 8C einzuschalten.

Bremen

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können die Bremer das bundesweite Paket auf Kanal 5C, sowie öffentlich-rechtliche Programme, hauptsächlich von Radio Bremen auf Kanal 7B empfangen. Dies könnte sich nun ändern. Mit Beginn 31.05. startete die Bremische Landesmedienanstalt eine Ausschreibung für einen komplett neuen Regionalmux für die Region Bremen und Bremerhaven. Das Besondere: Wie beim Bundesmux 2 als auch beim Regionalmux in Hamburg sucht die Medienanstalt einen Plattformbetreiber, der nahezu selbstständig über die Programmzusammensetzung entscheiden darf. Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit ihre Bewerbung bis 06. Juli einzureichen.

Hamburg

Mit 11 Programmen verfügt der Privatradiomux in der Hansestadt auf Kanal 11C bereits über einen bunten Strauß an vielfältigen Formaten. Nun deutet sich kurzfristig Zuwachs an. Wie die Seite radioblick.de berichtet möchten folgende Programme demnächst im 11C auf Sendung gehen: radio ffn Hamburg, alsterradio und 917 XFM. Der Start der ersten beiden Programme soll laut dem Online-Magazin zum 01.08. erfolgen.

Sachsen

Am 23.05. hat die sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien bereits die Erlaubnis zur Verbreitung des Programmes R.SA über das digital-terrestrische DAB+ bis 14.02.2018 verlängert. Aktuell sendet das Programm im Rahmen eines Pilotbetriebes im Mux des MDR. Hintergrund ist, die unzureichenden UKW-Empfangsverhältnisse zu verbessern. Bisher gestaltet sich das Projekt äußerst positiv. Erste Erhebungen ergaben, dass bereits 15% der Hörer DAB+ als Hauptverbreitungsweg nutzen. Bei diesen Zahlen stellt sich die Frage, ob das Pilotprojekt nicht mittelfristig in einen Dauerbetrieb überführt, oder ein Privatradiomux ausgeschrieben werden könnte? Dazu die SLM auf Anfrage von Radio wird digital:

Das R.SA-Projekt wird in dieser Form nicht in den Dauerbetrieb übergehen, da R.SA Übertragungskapazitäten des MDR nutzt. Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) ist grundsätzlich bestrebt, neben dem MDR einen zusätzlichen Multiplex für private Veranstalter zur Verfügung zu stellen. Dies setzt allerdings voraus, dass dieser Multiplex dann letztendlich auch von den privaten Veranstaltern zu finanzieren wäre.

Fazit

So viel Bewegung im Markt gab es seit dem Start von DAB+ im August 2011 noch nie. Ist es der immer mehr steigende Bedarf an DAB+ -Geräten im Markt? Ist klar geworden, dass Internetradio alleine nicht die digitale Radiozukunft abbilden kann? Hat es mit rückläufigen UKW-Nutzungsdaten zu tun? Oder ist der erwartete Dominoeffekt nun tatsächlich eingetreten? Wie auch immer, die aktuellen Geschehnisse waren längst überfällig, damit Radio auch in Zukunft eines der stärksten Mediengattungen bleibt.

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About the Author: Dirk Martens