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Der Radio wird digital-Adventstalk mit dem VPRT

Digitalradio befindet sich in Deutschland auf einem erfolgreichen Weg. Die Nutzungs-, sowie Geräteverkaufszahlen steigen. Schwer tut man sich allerdings noch mit einer konkreten Roadmap zur Transformation des Radios in die digitale Welt. Dazu wurde im vergangenem Jahr ein Digitalradio-Board unter Federführung der parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für  Verkehr und digitale Infrastruktur Dorothee Bär eingerichtet. Es wird erwartet, dass bis Frühjahr 2017 Vorschläge für einen Zeitplan zur Verabschiedung der analogen Radioverbreitung vorgelegt werden.

Wie aus unterschiedlichen Diskussionsrunden zum Thema DAB+ bereits jetzt schon herauszuhören ist, ist man von einem konkreten UKW-Abschaltdatum abgerückt. Des Öfteren fiel in der Vergangenheit immer wieder das Jahr 2025.

Eine digitale Transformation bereitet noch immer vielen Privatsendern Kopfzerbrechen: Wer soll die Kosten für eine Simulcastphase tragen? Wie sieht die Vermarktungssituation über DAB+ aus? Wie wird der leichte Zugang zum Programm gewährleistet? Der Verband privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) hat in den vergangenen Tagen ein Positionspapier mit den aus Sicht des Verbandes notwendigen Top 7 für eine erfolgreiche Migration des Radios in das digitale Zeitalter vorgelegt. Diese können Sie hier nachlesen.

Radio wird digital freut sich folgenden Gesprächspartner für ein kurzes Interview zu diesem Thema gewinnen zu können:

Der 1. Radio wird digital-Adventstalk 2016 mit dem Geschäftsführer des VPRT, Claus Grewenig:

Nehmen wir an, ich plane einen neuen Privatradiosender und wäre unschlüssig welchen Verbreitungsweg ich wählen sollte. Geldmittel wären vorhanden, auch erste Jahre eines Verlustes wären hinnehmbar. Natürlich sollte der Verbreitungsweg zukunftsfähig sein. Wenn ich den VPRT um seine Meinung bitte, zu welchem Verbreitungsweg würden Sie mir raten?

Wichtig ist vor allem, dass digitales Radio über viele Wege passiert und „multichannel“ ist – es ist da, wo die Hörer sind. Sie würden die Rolle des VPRT falsch verstehen, wenn wir den Unternehmen Vorgaben zu Verbreitungswegen oder -technologien machen würden. Umgekehrt ist richtig: Der VPRT möchte die Wahlfreiheit erhalten und wendet sich gegen eine politisch verordnete Digitalisierungsstrategie. Zentrale Anforderung für private Anbieter ist die Refinanzierbarkeit der Angebote. Im Digitalen spielen Adressierbarkeit, Personalisierung sowie Interaktivität eine immer größere Rolle, besonders mobil. Auf dieser Basis entscheidet ein Sender über sein digitales Portfolio.

Mancher Privatsender tut sich mit DAB+ noch ein wenig schwer, u.a. wegen der hohen Kosten während einer SImulcastphase. In dem Top 7  fordert der VPRT finanzielle Unterstützung. Wie könnte diese aussehen?

Das ist keine Geschmacksfrage, sondern die eines Geschäftsmodells. Ein Simulcast gewinnt keine zusätzlich vermarktbaren Reichweiten, zudem ist dieser für die öffentlich-rechtliche Konkurrenz in Vergangenheit und Zukunft mit hunderten Millionen Beitragsgeldern abgesichert. Eine vergleichbare Dimension muss auch für die privaten Radiosender geschaffen werden, wir haben dazu mind. 500 Millionen Euro auf 10 Jahre angesetzt. Umgesetzt werden könnte dies über ein Maßnahmenbündel, etwa bestehend aus einem Digitalisierungsfonds von Bund und Ländern, einer technischen Infrastrukturförderung durch die Medienanstalten, einer Aufschaltung auf öffentlich-rechtliche Multiplexe oder auch durch besondere Preismodelle der Netzbetreiber.

Die Politik hat den Weg zum digitalen Fernsehen auch mit geebnet, fördert aber nicht im gleichen Maße das Medium Radio. Was sollte, neben einer finanziellen Unterstützung, noch passieren, um Radio fit für die Zukunft zu machen?

Ihr Hinweis ist zutreffend, die Gattung Radio muss in ihrer Bedeutung eigenständig von der Politik wahrgenommen werden. Wesentliche Rahmenbedingungen hierfür wären einerseits die Gewährleistung der Auffindbarkeit von Radio auf digitalen Plattformen und Endgeräten, Stichwort: Must Carry. Andererseits sollte es eine EU-weite politische Vorgabe für einen technologieneutralen „Multi-Chip“ auf allen Audio-Endgeräten geben, der neben UKW und DAB+- auch Internet-Empfang ermöglicht. Über eine solche verpflichtende Schnittstelle könnte die Wahlfreiheit des Radiohörers hergestellt und gleichzeitig die Reichweitenbasis für eine Vermarktung verbessert werden.

Herzlichen Dank an Claus Grewenig, Geschäftsführer des VPRT und noch eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und ein erfolgreiches 2017!

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