Die Mediaanalyse und Digitalradio

Für Radiomacher ist es einer der beiden Tage im Jahr auf die die Branche sehnsüchtig wartet: Die Bekanntgabe der Quoten über die Mediaanalyse durch die Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse e.V. agma, wie beliebt die einzelnen im Bundesgebiet ausgestrahlten Programme bei den Hörern sind. Mittels Umfrage werden diese 2x im Jahr ermittelt und stellen damit quasi die “Währung” für die Werbeindustrie dar und sind somit äußerst relevant. Leider wird nach wie vor nicht der Verbreitungsweg DAB+ abgefragt, was schade ist, wäre es doch die Chance auch die Werbeindustrie auf diesen zukunftsweisenden Empfangsweg aufmerksam zu machen und somit vor allem den Privatsendern einen Weg zur Refinanzierung ihres Programmes zu eröffnen.

Dennoch, die heute veröffentlichten Zahlen liefern, wie schon bei der vergangenen MA 2016 I interessante Rückschlüsse. Unter den zuerst genannten nationalen Anbietern sticht eine Zahl geradezu ins Auge: Die Freude in Augsburg bzw. Hamburg dürfte riesig gewesen sein: Klassik Radio gewinnt ganze 36,2% an Hörern pro Durchschnittsstunde dazu (Montag – Freitag, Quelle: reichweiten.de). Das ist insbesondere bemerkenswert als das Klassik Radio sich zu Beginn des Jahres von einigen UKW-Frequenzen getrennt hat und zeitgleich das Digitalradio an technischer Reichweite hinzugewonnen hat. Die zunehmende Nachfrage nach diesem modernen Verbreitungsweg könnte auch an anderer Stelle ablesbar sein. Hier lohnt ein Blick nach Baden-Württemberg. Dort haben es quasi alle Privatradios geschafft, ein Plus an Hörern zu gewinnen. Die herausragendsten sind: baden.fm (+72,7% – gleiche Parameter wie oben), Die Neue 107,7 (+30,8%), die neue welle(+85,7%), Radio 7 (+5,1%), Radio Ton (+28,9%) – (Zahlenquelle: www.reichweiten.de)). Alle Anbieter haben gemeinsam, dass sie nicht nur neben UKW auf DAB+ senden, sondern auch in einem deutlich größerem Empfangsgebiet über die digital-terrestrische Variante zu hören sind. Auf Kanal 11B wurde neben den SWR-Kanäen eigens für Privatradios ein Mux eingerichtet, der in weiten Teilen Baden-Württembergs empfangbar ist.

Auch die Entwicklung bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die geschlossen hinter dem Digitalradio stehen gestaltet sich positiv. Dazu einige Stimmen. Lutz Marmor, Intendant des NDR zu den Ergebnissen in Niedersachsen, wo NDR 1 und NDR 2 die beiden vorderen Plätze belegen:

Das ist ein überragender Erfolg! NDR 1 Niedersachsen ist seit 23 Jahren unangefochten die Nummer 1 im Land. NDR 1 Niedersachsen und NDR 2 haben ihren Vorsprung weiter vergrößert. Ich freue mich über diesen Vertrauensbeweis unserer Hörerinnen und Hörer.

Insgesamt steigt der Marktanteil der NDR-Programme auf 50% im gesamten Verbreitungsgebiet, so die Landesrundfunkanstalt.

Auch beim SWR im Südwesten herrscht große Freude, wo, laut der Landesrundrunkanstalt täglich 6,55 Millionen Hörer ein Programm des SWR einschalten. Der SWR Intendant Peter Boutgoust dazu:

Die Hörerinnen und Hörer sind sich einig: SWR3 – das ist Spitze! Und das gilt für die gesamte Hörfunkflotte des SWR: Aktuelle Information aus dem Südwesten und der Welt, informative Interviews, Unterhaltung, Musik und Kultur – die Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben viele Gründe ‚ihr‘ SWR Radioprogramm einzuschalten. Unsere Radioprogramme sind unverändert verlässliche und kompetente Begleiter durch den Tag.

Auch der WDR zeigt sich zufrieden. Im Westen konnten 1Live, WDR 3 und WDR 4 laut eigenen Angaben zulegen. Die Programmdirektorin Valerie Weber zeigt sich besonders über den Erfolg von WDR 3 und 1 Live zufrieden:

Dass das Kultur- und Klassikangebot von WDR 3 einen historischen Höchstwert erreicht hat, ist einfach wunderbar und zeigt: Wenn ein Qualitätsprogramm mit so viel Herzblut und Engagement gemacht wird, erreicht es auch seine Zielgruppe. Hart gekämpft und verdient gewonnen haben auch die Macher und Macherinnen von 1LIVE, die sich jeden Tag in einem immer härter werdenden Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der jungen Mediennutzer behaupten müssen

Beim bayerischen Rundfunk konnte vor allem B5 aktuell Hörer gewinnen. Reichweitenzuwachs gab es auch für Bayern 1 und Bayern 2. Hörfunkdirektor Martin Wagner kommentiert:

Die erfreulichen Ergebnisse der media analyse zeigen, dass die Hörfunkprogramme des BR fest zum Leben der Menschen in Bayern gehören. Die Hörerinnen und Hörer schätzen die regionale Verankerung, Verlässlichkeit sowie die journalistische Qualität und Vielfalt unserer Radioangebote. Das klare öffentlich-rechtliche Profil mit einem breit gefächerten Mix aus Information, Bildung und Unterhaltung kommt beim Publikum gut an. Das freut mich auch für meine Kolleginnen und Kollegen in den Hörfunkwellen, die bei immer größeren Sparzwängen mit großem Engagement Hervorragendes leisten

Die Zahlen zeigen: Radio ist innerhalb eines umkämpften Medienmarktes, in dem das Internet eine immer größere Rolle spielt, nach wie vor sehr erfolgreich. Allerdings muss es sich weiter entwickeln, denn die jungen Hörer schalten gerne auch auf andere Verbreitungswege um, wie die Landesmedienanstalt MA-HSH am Beispiel Hamburg feststellt. Beträgt die Tagesreichweite bei den 14- bis 29-Jährigen in Hamburg nur 55,1  Prozent, so liegt sie bei den über 50-Jährigen bei 79,3 Prozent. In weniger dicht besiedelte Gebieten, wie Schleswig-Holstein fällt dieser Unterschied allerdings auch deutlich geringer aus.

Wichtig wäre nun auch die Digitalradio-Programme in die Messung aufzunehmen. Die Werbewirtschaft und in Folge auch die Sender brauchen diese Quoten, um in diesem Zweig Buchungen vorzunehmen und Einnahmen generieren zu können. Erste verwertbare Zahlen in diese Richtung sollen auf der bevorstehenden IFA in Berlin vorgestellt werden.

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