Digitalradio in Europa 2016

In der vergangenen Woche blickten wir auf die Digitalradio-Ereignisse 2016 in Deutschland. Nicht minder spannend ging es in anderen europäischen Ländern zu. Hier ein kleine Rundreise durch den Kontinent und durch das Jahr 2016

Belgien: Hier hat sich in Sachen DAB+ sehr viel in 2016 getan. Nicht nur, dass die Sendernetze ausgebaut wurden, auch politisch stand das Thema der Digitalisierung des Radios ganz oben auf der Agenda. Die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt RTBF der frankophonen Bevölkerung positionierte sich klar für DAB+ und möchte im Jahr 2017 in den regulären Betrieb gehen. Auch die flämische Regierung veröffentliche einen Entwurf einer Verordnung, die sich klar für DAB+ ausspricht. Demnach sollen die Lizenzen für drei Privatradiosender verlängert werden, aber mit der Auflage spätestens 2018 auch über das Digitalradio empfangbar zu sein. Eine früheste UKW-Abschaltung ist ab 2022 denkbar, allerdings nur, wenn mindestens 50% der Bürger digital Radio hören.

Dänemark: Auch bei unseren Nachbarn im Norden scheint der Weg für Digitalradio als Standard innerhalb der Radioverbreitungswege geebnet. Das Referat für Kultur veröffentlichte eine Roadmap, die besagt, dass alle öffentlich-rechtlichen Sender am 01.10.2017 vollständig von DAB zu DAB+ migriert sein müssen. Ähnliches gilt für die Privatradioangebote, deren Empfangbarkeit auf 80% der Bevölkerung im Indoor-Bereich ausgebaut werden muss. Desweiteren wird es eine Infokampagne geben, die über den Standard DAB+ informieren soll. Zudem wird ein neuer Multiplex geplant, der ebenfalls im Oktober 2017 on air gehen soll, wie radiomagonline.com berichtet.

Frankreich: Auch die „Grand Nation“ machte einen großen Schritt nach vorne beim Digitalradio. Nach Paris, Nizza und Marseille gingen in 2016 auch in Lyon, Lille und Straßburg einige Radiosender via DAB+ on air. Insgesamt genehmigte die Medienbehörde CSA 96 Programme. Große Überraschung war auch die Öffnung von Radio France für DAB+. An den neuen Multiplexen wurde Interesse angemeldet.

Italien: In Südtirol hat der Sendernetzbetreiber RAS Digitalradio mittlerweile zu 100% ausgebaut. Da man auch hier die Vorteile des Standards erkennt, kündigte RAS-Direktor Georg Plattner beim WorldDAB Kongress in Wien an, Ende 2017 erste UKW-Frequenzen zugunsten von DAB+ abzuschalten. Auch der Sendernetzbetreiber DAB Italia schaltete an insgesamt 14 Standorten Sendeanlagen, verteilt auf Nord-, Mittel- und Süditalien, ein.

Niederlande: Wie WorldDAB bekannt gab, wurden bis September des Jahres 2016 ca 440.000 Digitalradios in den Niederlanden verkauft. Und auch sonst ging die Entwicklung auch hier stetig weiter. Im letzten Quartal ging ein lokaler Multiplex in Vlaardingen, Südholland testweise on air. Eine Genehmigung für 5 Radiostationen erhielt ebenfalls ein Multiplex für die Region Emmeloord, der im Oktober auf Sendung ging.

Spanien: Hier sind aktuell 3 nationale Multiplexe mit insgesamt 18 Programmen on air, allerdings noch im nicht mehr zeitgemäßen Standard DAB, der auch in Deutschland scheiterte. Dies erkannte auch Javier Sanchez, President of the Strategic Programme Platforms EBU Digital Radio, der in einer Stellungnahme anmerkte, dass mit einem Switch zum moderneren DAB+ bis zu 48 Programme auf den aktuellen Kapazitäten Platz finden könnten.

Neu in die Digitalradio-Familie stießen die Länder Slowenien und Lettland. Im letztgenannten Land wurde erst im Dezember probeweise ein Multiplex aufgeschaltet.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt an Highlights aus dem Jahr 2016 aus den Ländern, die sonst keine so große Beachtung finden. Das Jahr 2017 wird auch wieder viele spannende News liefern. Los geht es bereits im Januar: Norwegen wird beginnen sich von UKW zu trennen. Sukzessive werden bis Ende 2017 Sendeanlagen zugunsten von Digitalradio abgeschaltet. Einen Zeitplan inklusive Countdown für die entsprechenden Regionen hat die Seite radio.no geschaltet. Genauer Startschuß ist am 11.01.2017. Auch die weitere Entwicklung in Großbritannien könnte in 2017 für Schlagzeilen sorgen. Dort exisitieren bereits Eckpunkte an Voraussetzungen für einen Switch Over von UKW zu DAB, deren Erfüllung kurz bevor steht.

Radio wird digital wünscht nun einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein gesundes, erfolgreiches und glückliches 2017 und bedankt sich bei allen Lesern und Gesprächspartnern für das Interesse, die Treue und natürlich die zahlreichen Informationen ohne die es Radio wird digital nicht geben würde.

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