Digitalradiotag 2016: Die Wachstumsphase hält an!

Tradition ist er mittlerweile auf der jährlich stattfindenden IFA in Berlin: Der Digitalradiotag am Montag Nachmittag während der größten Messe für Unterhaltungselektronik. Neben aktuellen Entwicklungen sehen vor allem die Zahlen im Mittelpunkt des Interesses der anwesenden Zuhörer. Wie bereis in den vergangenen Jahren trug Dr. Oliver Ecke von TNS Infratest die neuesten Ergebnisse vor, die sich erneut sehen lassen können. Digitalradio erlebte demnach in den vergangenen Monaten einen erneut kräftigen Wachstumsschub. Demnach verfügen unterdessen 12,6% der deutschen Haushalte über mindestens ein Digitalradiogerät, ein Plus von 2,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die 12,6% entsprechen knapp 5 Millionen Haushalten. Damit bauen die Digitalradios ihren Abstand zu reinen IP-Radios, die sich in 8,6% aller Haushalte befinden, weiter aus. Insgesamt befinden sich laut der Studio 8,2 Millionen Geräte im Markt. Die Anzahl der UKW Geräte ging auf 139,4 Millionen Geräte zurück. Bei den Automobilen liegt der Anteil der DAB+ -Geräte nun bei 3,086 Millionen, was ca. einem Drittel aller Digitalradios entspricht. Der Zuwachs schlägt sich auch in der Nutzung nieder. Unterdessen hören laut TNS Infratest ca. 14% der Bevölkerung via DAB+.Bei der meist genutzten Radioempfangsart erfährt DAB+ mit 3,4% den größten Zuwachs. Im vergangenen Jahr waren dies nur 1,8%. Internetradio liegt hier bei 5,9%, konnte aber seine Position gegenüber 5,6% im Vorjahr nur unwesentlich ausbauen. Digitales Radio kann dabei bei den 14-19jährigen am besten punkten. DAB+ liegt mit 9% und Internetradio mit 13% in der Gunst dieser Altersgruppe ganz vorne.

In seiner Keynote hob Sigfried Schneider, Vorsitzender der DLM und Präsident der BLM hervor, dass in Bezug auf die Digitalisierung des Radio die Empfangswege Internet und DAB+ eine große Rolle spielen: „Beide Empfangswege ergänzen sich.“. Die Notwendigkeit eines terrestrischen Empfangsweges hob Siegfried Schneider am Beispiel von Krisensituationen hervor, neben dem Aspekt der günstigeren Variante für Sender und Empfänger. Er betonte aber auch :“DAB+ ist kein Selbstläufer. Die Medienanstalten, die Öffentlich-Rechtlichen, die Privaten und die Politik – alle müssen mitziehen“

In Bezug auf den 2. Bundesmux stellte er in Aussicht, dass bereits zur kommenden IFA bis zu 15 weitere Programme on air sein könnten :

Zum Zeitplan: Die DLM hat noch vor der Sommerpause die Rundfunkreferenten der Länder über diese Absicht in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, ihrerseits das Verfahren der Bedarfsanmeldung für einen zweiten bundesweiten Multiplex in Gang zu setzten. Der Zeitplan sieht vor, dass die Rundfunkreferenten der Länder und die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz als Vorsitzland der Rundfunkkommission den Bedarf eines zweiten bundesweiten Multiplex feststellen und bei der Bundesnetzagentur melden.

Unter den Bedarfsträgern des Rundfunks erfolgt derzeit eine Einigung dahingehend, dass die gesamte Kapazität des Multiplex den Medienanstalten zur Ausschreibung für die Verbreitung von privaten Hörfunkprogrammen zugeordnet werden kann. Diese Zuordnung bedarf der Zustimmung der Ministerpräsidentenkonferenz, die im Oktober dieses Jahres stattfindet. Die tatsächliche Ausschreibung der Kapazitäten für Hörfunkveranstalter oder Plattformanbieter könnte dann ab November erfolgen, so dass die Gesamtkonferenz der Medienanstalten im März nächsten Jahres entscheiden würde. (Auszug aus der Keynote, veröffentlicht auf der Homepage der BLM)

Siegfried Schneider plädierte in seiner Rede außerdem für eine Förderung der Privatanbieter innerhalb der Simulcastphase UKW und Digitalradio. So stünden Bund und Ländern insgesamt 1,33 Milliarden aus den Erlösen der Digitalen Dividende II zur Verfügung, die auch für DAB+ genutzt werden könnten. Ebenso plädierte er für einen verpflichtenden Multichip in neuen Radiogeräten zum Empfang von UKW, DAB+ und Internetradio.und begrüßte ausdrücklich die Digitalradio-Initiative von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Diese Pläne zieht er einem UKW-Abschalttermin deutlich vor.

Dr. Ulrich Liebenow,  Leiter der ARD AG Digitalradio und Betriebsdirektor des MDR stellte anschließend die mögliche Roadmap von ARD und Deutschlandradio zur digitalen Radiotransformation vor. Diese soll in eine Ausbauphase und Migrationsphase aufgegliedert werden. Zwischen diesen beiden Phasen soll es keine Neuvergabe von frei gewordenen UKW-Frequenzen mehr geben. Vor der Migrationsphase ist eine Versorgung von 95% der Fläche anzustreben, sowie eine DAB+ -Fähigkeit von 30% aller verkauften Geräte.

In der Podiumsdiskussion stellte Professor Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR fest, dass die Dynamik von DAB+ noch nicht ausreichend sei. Auch sie hält den verpflichtenden Einbau von Multinorm Chips in Empfangsgeräte für wichtig und begrüßte ebenfalls den Vorstoß aus Rheinland Pfalz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Auch Dr Wille wollte sich auf Nachfrage nicht auf ein konkretes UKW Abschaltdatum festlegen, sondern hält zunächst eine gemeinsame Strategie in Bezug auf die digitale Transformation von Öffentlich-Rechtlichen, Privatsendern und der Politik für notwendig.

Für Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio- und Audiodienste VPRT und Geschäftsführer/Programmdirektor Radio Regenbogen ist es wichtig, dass Radio multichannel-fähig und auf allen Empfangswegen vertreten ist: „Wir wollen einen Multichip und keine UKW-Abschaltdiskussion.“

Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der SLM kündigte für Leipzig einen Regionalmux nach Vorbild der Schweiz an. Ein entsprechendes Pilotprojekt befände sich aktuell in der Planung.

Olaf Hopp, CEO von Energy Deutschland sieht sein Engagement im Digitalradio eindeutig als Chance, da es zum Wachstum der Sendergruppe beitragen könnte.

Dr. Willi Steul, Intendant der Deutschlandradios rückte von einem früher geforderten, konkreten UKW-Abschaltdatum ab und erinnerte nochmals an das enorme Einsparpotential gegenüber den teuren UKW-Verbreitungskosten. Er lobte das duale Rundfunksystem Deutschlands und zeigte Verständnis für die Sorgen der Privatsender in Bezug auf die simultane Verbreitung der Programme auf UKW und DAB+. Gleichzeitig kritisierte er den aktuellen Trend öffentlich-rechtlicher Sender bislang ausschließlich auf DAB+ ausgestrahlte Programme zusätzlich auch auf UKW zu verbreiten.

Reaktionen und Meinungen zum Digitalradio-Tag in den kommenden Tagen auf „Radio wird digital“

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