Große Veränderungen beim Deutschlandradio?

Diese Schlagzeile sorgte für Überraschung und vermischte sich mit Sorge unter der Digitalradio-Community: Wie die Bild am Sonntag meldete, wird der derzeitige Intendant der Deutschlandradios Dr. Willi Steul in den kommenden Tagen seinen Rücktritt ersuchen. Noch ist die Meldung nicht bestätigt und die Pressestelle beantwortete entsprechende Nachfragen der BamS mit Unwissenheit. Das Magazin “Der Spiegel” berichtete zum Zeitpunkt der Verlängerung des Vertrages von Dr. Willi Steul im Jahr 2014 allerdings, dass die Wiederwahl von der Zusage Dr. Steuls abhängig gemacht wurde, dass mit Erreichen des 65. Lebensjahres der Rücktritt erklärt würde.

In den letzten Tagen bestätigte Deutschlandradio bereits erste Berichte, nachdem im kommenden Frühsommer die Sender des Funkhauses eine Namensänderung erfahren werden. Demnach werden im Jahr 2017 die Sender Deutschlandradio Kultur in Deutschlandfunk Kultur und DRadio Wissen in Deutschlandfunk Nova umbenannt. Deutschlandradio Kultur, welches bis 2005 Deutschlandradio Berlin hieß, entstand aus den Sendern RIAS 1 und DS Kultur und ging zum 01. Januar 1994 auf Sendung. DRadio WIssen startete als reines Internetradio im Januar 2010 und wird seit August 2011 neben DRadio Kultur und DLF bundesweit über das Digitalradio DAB+ ausgestrahlt. Der Deutschlandfunk ist seit 1962 als informationsorientiertes Programm auf Sendung.

Sollte sich die Meldung der Bild am Sonntag bewahrheiten, wäre dies ein herber personeller Verlust für die Erfolgsgeschichte DAB+ in Deutschland. DAB+ konnte auch unter engagierter Beteiligung von Deutschlandradio im August 2011 durchstarten. Zuvor war der Vorgängerstandard DAB an technischen Hürden und der daraus resultierenden geringen Nachfrage gescheitert. Die KEF(Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der Rundfunkanstalten) hatte letztendlich einer weiteren Förderung im Jahr 2009 eine Absage erteilt. Mit dem mit Abstand besseren und robusteren DAB+ sollte das Ende von UKW eingeläutet werden. Dr. Willi Steul arbeitete hart, unbeirrt und fest von DAB+ überzeugt an der Durchsetzung des Standards gegenüber dem schlechteren und technisch längst überholten UKW und gilt als einer der Entscheider, die Digitalradio zu dem gemacht haben was es heute ist: ein zwischen UKW und Internetradio gleichberechtigter Empfangsweg, der weder wegzudenken, und ohne den Radio nicht zu digitalisieren ist, was als unabdingbar gilt, um Radio auch in Zukunft als relevante Größe im Medienuniversum wahr zu nehmen.

Trotz einer Ablehnung des Bundestages im Oktober 2011 bezüglich einer UKW-Abschaltung im Jahr 2015 hielt Dr. Willi Steul an diesem Vorhaben fest. Immer wieder brachte er das Jahr 2025 ins Spiel, auch in einem Interview mit Radio wird digital auf der IFA 2015:

Auf dem Digitalradiotag 2016 rückte er allerdings von einem fixen Abschaltzeitpunkt ab und unterstützte die Initiative aus Rheinland-Pfalz, DAB+ verpflichtend in Radioempfangsgeräte einzubauen.

Welche Bedeutung DAB+ hat, machte Dr. Steul auch auf dem Digitalradiotag 2014 gegenüber Radio wird digital deutlich. Hier bezeichnete er die Digitalisierung des Rundfunks als Zukunftssicherung dieses Mediums. Aber auch für die Interessen der Privatradioanbieter machte er sich stark und forderte finanzielle Unterstützung für den Zeitraum des Simulcastbetriebes:

Auch verbal setzte er in seinen Reden immer wieder Akzente. Auf der IFA 2014 kommentierte er die erfolgreichen Digitalradio-Verkaufszahlen mit den Worten: “Die Kuh fliegt…”

Auf der Veranstaltung “Radio ist digital” im Jahr 2013 vom Bayerischen Rundfunk beendete er seine Rede mit den Worten:”Meine Damen und Herren, ich will die Umschaltung von UKW auf Digitalradio noch erleben. Ich rauche, ich treibe wenig Sport,…, also geben Sie Gas!”. Auch auf dem jüngsten Digitalradiotag, begründete er seine Abkehr von einem fixen UKW-Abschaltdatum folgendermaßen:”Wenn Sie etwas erreichen wollen, müssen Sie auch mal provokante Thesen aufstellen.”

Dr. Willi Steul hat die Digitalisierung in Deutschland auf Erfolg hochkatapultiert. Demnach bleibt zu hoffen, dass er dies in seiner Funktion als Intendant der Deutschlandradios nun auch weiter durchführen kann, wo er auch programmlich viel erreicht hat: Der Launch des Programmes DRadio Wissen und die erste Auswertung innerhalb der Mediaanalyse 2015 (für ein reines Internet- und Digitalradioprogramm ein großer Erfolgsbeweis) und ein populärer Deutschlandfunk.

Ob sich die Meldung der BamS bewahrheitet oder nicht. Sein Engagement für das Digitalradio kann er als erst kürzlich wiedergewählter Vorsitzender des Vereins Digitalradio Deutschland e.V. vielleicht sogar noch stärker als bisher ausbauen.

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