Österreich: Wann kommt das Digitalradio DAB+?

Es war ein Riesenschritt Richtung Modernisierung des Radiosystems: Im Februar begann eine große Ausschreibung für bundesweite, regionale und lokale Digitalradio-Kapazitäten im Nachbarland. Gesucht wurden Plattformbetreiber, die über die Zusammenstellung der Programmpakete entscheidend mitreden können. Man sprach über bis zu 15 Programme in einem Multiplex. Am Ende der Bewerbungsfrist zum 12.06. verkündete Matthias Gerwinat, Geschäftsführer des Vereins Digitalradio Österreich:

„Für Digitalradio Österreich ist mit dem heutigen Tag eine weitere wichtige Etappe geschafft. Wir freuen uns, dass in Summe zwei Anbieter ihr Interesse am Sendernetzaufbau bei der Medienbehörde gemeldet und ihre Bewerbung fristgerecht eingereicht haben.“

Die Bewerber sind die ORS mit 11 Programmen für eine bundesweite Bedeckung und die RTG Radio Technikum GmbH für das Regionalnetz in Wien. Es ist davon auszugehen, dass letztgenannter Bewerber das Pilotprojekt in der Hauptstadt, welches im Jahr 2015 startete, fortführen wird.

Dass sich lediglich nur ein Bewerber für die bundesweite Ausstrahlung fand, erscheint ernüchternd. Zudem zeigte sich der an der ORS beteiligte öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF jüngst nicht besonders zugänglich für DAB+. Zudem erwächst neuer Ärger in der Alpenrepublik. In der Pressemitteilung des Verein Digitalradio Österrich heißt es: Die Verwertungsgesellschaft AKM verlangt von den 11 Hörfunkveranstaltern, die am bundesweiten Digitalradioprojekt teilnehmen, zu Beginn des Sendestarts Mindestentgelte von insgesamt rund zwei Millionen Euro jährlich und nach Erreichen der Ausbauphase 4 rund fünf Millionen Euro. Demgegenüber einigten sich die Hörfunkveranstalter kürzlich mit der die Künstler und Tonträgerhersteller vertretenden LSG auf einen neuen Tarif, der berechnet für elf Sender jährlich 66.000 Euro beträgt.

Die Aufgaben der AKM sind vergleichbar mit der aus Deutschland bekannten Gesellschaft GEMA. Die nun vorgelegten Preisvorstellungen entsprechen den Tarifen für Sender im UKW-Netz. Experten sehen darin eine Ungleichbehandlung angesichts der aktuell noch geringen Marktdurchdringung von Digitalradio-Geräten.

Es bleibt spannend in der Alpenrepublik. Ob und wann das landesweite Digitalradio auf Sendung geht, ist erst einmal ungewiss.

 

You May Also Like

About the Author: Dirk Martens